Aus dem täglichen Wahn des Homo Schein

Weltfinanzkrise und kein Ende – Rückblick 2008

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Wie hat das Jahr doch hoffnungsvoll angefangen. Erst die exorbitanten Gewinne der Unternehmen, die Anfang des Jahres einfach nicht aufhören wollten, dann die Hausse an den Aktien- und Derivatemärkten, dann die stetig sinkende Arbeitslosenzahl und man hatte das Gefühl, jetzt sei alles möglich.

Vielleicht wären die Unternehmen en gros sogar bereit gewesen, mit den Renditen über 25% sogar einige Suppenküchen zu betreiben, um zu zeigen, dass auch sie Charity ernst nehmen?

Und die exorbitanten Preissteigerungen auf den Weltrohstoffmärkten! Alles, aber wirklich alles ging nach oben und wollte einfach kein Ende nehmen, ob die Preise für Derivate, die Preise für Rohstoffe, Immobilien, Autos und Versicherungen, Lebensmittel, Mieten und Nebenkosten, Consumer Electronics, alle Unternehmer, Besitzer, Investoren, Rentiers wollten ihr Stückchen vom Renditekuchen abhaben.

Nur die Löhne stiegen nicht. Aber wen interessierte das schon ernsthaft? Was war das nicht für ein Skandal, als die Lokomotivführergewerkschaft Lohnzuwächse im Zweistelligen Prozentbereich forderten und zum Teil auch bekamen? Nein, der ehrbare Bürger war erschüttert. Das brachte die Deutsche Bahn AG an den Rand des wirtschaftlichen Ruins! Keine 25% Rendite mehr, nur noch 20%? Da wäre man ja im Vergleich weit abgeschlagen gewesen! So etwas geht nicht!

Und jetzt? Nix mehr übrig! Wo sind all die Milliarden hin, die so emsig erwirtschaftet wurden, die müssen doch irgendwo geblieben sein? Ach Luftbuchungen! Sorry, Handel mit Finanzinnovationen hieß das neue Geschäftsmodell ja. Ich bin ja sooo vergesslich! Wie kann ich nur unseren armen „Finanzaristokraten“ etwas böses unterstellen? Sie wollten doch nur „absahnen“, „abschöpfen“, „Plus und Kasse machen“, „gewinnen“! Also, wenn die Gewinne nicht in private Taschen flossen, wurde gehandelt, was das Zeug hielt, am liebsten mit „verbrieften Sicherheiten“. Ja, so hießen die Dinger, mit dem sich alles und jeder absichern konnte gegen alles und jeden. Man brauchte nicht mal ein Papier, wo was draufsteht. Dumm nur, dass, als es zum Crash kam diese Sicherheiten nichts mehr sicherten. Schwupps waren die schicken Moneten weg, hatten sich in bedrucktes Papier verflüchtigt, das ja übrigens „plötzlich“ nichts mehr wert war.

Das war natürlich ein ungeheurer Witz, der in den Feuilletons zu seitenlangen Diskursen führten, wo alle großen Größen der Finanzpolitik ihren Beitrag zur Beruhigung der nervösen Anleger leisteten. Und Konsequenzen wurden schnell gezogen. Der ehrbare Bürger mit seinen Steuern war ja noch übrig, die hat man noch nicht verzockt. Das wird sich nun ändern, da sind schließlich noch exorbitante Gewinne drin, da kann man nochmal kräftig spekulieren! Aber wen interessiert das schon?

Written by mani1914

Dezember 28, 2008 um 17:19

Veröffentlicht in Seelensenf

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