Aus dem täglichen Wahn des Homo Schein

Berichterstattung über die Schülerdemos – Meinungsbildung schlägt Purzelbäume

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Gestern haben sich die Nachrichten in Sachen Berichterstattung über die Schülerdemos mal wieder selbst übertroffen. Ja, es war fast ein Lehrbeispiel für die Meinungsbildung der Medien in unserem Land:

Ich heiße sie alle herzlich willkommen bei unserem Seminar „Wie bringe ich ein Volk dazu das zu denken, was ich bzw. der Staat will“ oder anders genannt „PR in den Medien“.

Heute mal ein Fallbeispiel: Nehmen wir an die Bildung in unserem Land sinkt immer mehr und dem Staat scheint dies auch noch zweckdienlich zu sein, denn dumm regiert sich besser. Wir als PR-Medium haben nun die spannende Aufgabe kleine aufgekommene Unzufriedenheiten und Widerstände in der Bevölkerung bei der Masse als lächerlich und unnütz darzustellen.

Dazu gibt es zwei Wege: Entweder Sie sind bei einem öffentlich-rechtlichen Sender. In diesem Fall eins versuchen sie möglichst seriös zu wirken. Also, ernste Miene aufsetzen, Anzug an und in einem möglichst sachlichen Ton reden, dass erst gar keine Emotionen aufkommen. Unsere Zielgruppe ist das Bildungsbürgertum und der gehobene Mittelstand. Diese könnten womöglich die Zusammenhänge der genannten Demonstration verstehen… Also müssen wir hier besonders vorsichtig und subtil vorgehen. Am besten erst einmal sachlich die Argumente der Demonstranten darstellen, wobei man mit dem Sinnvollsten anfängt und dann mit einem Nichtigen endet. Am allerbesten sind das Schüler, die sagen, dass sie zu viel arbeiten müssten oder, dass sie zu wenig Ferien haben.

Nun sagen wir am Ende noch schnell, was sie alles kaputt gemacht haben und wie viel das den Steuerzahler kosten soll. Schon haben wir vom eigentlichen Problem abgelenkt.

Fall 2 hingegen ist einfacher: Die privaten Sender. Hier reicht es aus, nur faule Schüler zu zeigen, die Dinge zerstören, Parolen brüllen und nicht in die Schule gegangen sind. Und dann betont man am Ende nochmal, dass die Steuerzahler, ja, Sie und ich, den Schaden bezahlen müssen. Und nochmal die Kosten nennen. Dazu empfehlen sich am besten Bilder, in denen Demonstranten von den Hütern von Recht und Ordnung, also der Polizei, verhaftet werden…

Und schon hat man in beiden Fällen die Zuschauer abgehalten über den Grund der Demo nachzudenken.

Ganz toll! Und Berichte, wie über das BKA-Gesetz, das unsere Gesellschaft dramatisch verändern könnte, werden nur kurz und unkommentiert dargestellt. So dass sie im allgemeinen Sensationsgeschrei um demonstrierende Schüler untergehen. So kann man sagen, man hat ja drüber berichtet, aber es fällt den Leuten auch nicht wirklich auf…

Sind Politik und Medien nicht was Schönes?!

© nina

Written by mani1914

November 13, 2008 um 16:23

Veröffentlicht in KeinKommentar, Neusprech der Woche

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