Aus dem täglichen Wahn des Homo Schein

Trendfarbe Rot und Revolution gleich null – Linkssein als Marke

with 2 comments

Gerade bin ich auf hinter-den-schlagzeilen. de auf einen tollen Artikel gestoßen (oder besser verwiesen worden… Danke, .co!😉 ), der mir aus der Seele spricht. Genau dieses Thema geistert mir seit langem durch den Kopf! (Unbedingt erst den Artikel lesen!)

Es geht darum, dass Unangepasstheit zu einer Art Marke geworden ist. Das Engagement für „linke Ziele“ unterscheidet sich im wesentlichen nicht mehr viel, von dem, was man bekämpfen möchte. Seit langem fällt es mir schwer viele Menschen, die sich engagieren, wirklich ernst zu nehmen, denn sie sind komplett in den Mechanismen der hierarchischen Strukturen von Parteien oder Organisationen gefangen. Auch hier geht es um Macht, darum, wer vorne stehen darf. Und inwieweit stehen sie für das ein, was sie da so laut predigen? Wieviel haben sie sich mit den Phrasen beschäftigt, die sie da voller Inbrunst loslassen?

Und warum brüllt eine hohle Masse genau solche Phrasen, von denen sie selbst meilenweit entfernt ist? Ja, die meisten Slogans der Linken sind so ausgelutscht wie ihr Konzept. Aber keiner versucht neue Wege zu gehen. Wir haben hier ein geniales Medium, das uns, so Schäuble will, noch länger zur freien Meinungsäußerung offen steht, aber wir alle tun das, was die Politiker auch tun: Wir reden viel und jeder versucht seinen Blog oder seine Seite möglichst weit vorne zu platzieren. Wir konkurrieren untereinander und machen genau das, was das kapitalistische und leistungsorientierte System von uns will. Meistens zumindest…

Ab und zu ist mal ne Demo, die dann aber fast keinen Effekt hat, weil das Konzept ausgelutscht ist. Leute, wir müssen uns doch gemeinsam etwas neues Ausdenken können. Wenn jemand in diesem Land nicht stillstehen sollte, dann sind das wir! Lasst uns zusammen nach neuen Formen des Protests suchen und machen wir Unangepasstheit wieder zu einer Sache des Einzelnen und nicht zu einem uniformierten Modelabel!

Und genau hier sprcht mir die Autorin des Artikels, Ellen Diederich, aus der Seele. Doch bei allem Dagegensein sind wir trotzdem in diesem verflixten System gefangen. Wir müssen, wenn wir nicht viel Geld haben, Kleidung aus Bangladesh tragen. Denn selbst die Sachen, die man günstig Second Hand kaufen kann, kommen meist aus einem dieser armen Länder. Von Kindern für Kinder gemacht… Und leider leben wir nicht authark vom Strom- oder Gasnetz und, wenn man wenig Kohle hat, dann muss man leider auch manchmal im Supermarkt zu Scheiß Produkten greifen. Und auch ich möchte vom Schreiben leben und bin an gewisse Strukturen gebunden um dies zu erreichen und es auch weiterhin tun zu können.

Doch wir können es uns bewusst machen! Ich muss nicht unbedingt im Winter Erdbeeren essen… Und Gemüse und Obst kriegt man auch wunderbar, selbst in der Stadt (Genmüsekiste sei dank!), vom Bauer in seiner Region. Die meisten liefern sogar…

Ihr seht schon, ich komme vom Hundertsten ins Tausendste, denn dieses Thema liegt mir wirklich am Herzen. Ich würde wahnsinnig gerne versuchen mit euch neue Formen des Protests, des Widerstandes, des sinnvollen Diskutierens (ohne sich ständig zu beleidigen und auf seinem Standpunkt stehen zu bleiben) und vor allem des Sich-in-der-Gesellschaft-Positionierens zu finden…

© nina

Written by mani1914

Oktober 3, 2008 um 16:08

Veröffentlicht in Seelensenf

Tagged with

2 Antworten

Subscribe to comments with RSS.

  1. Hallo Nina,

    Deinen Diskussonaufruf zu diesem Thema finde ich klasse und hoffe, daß ihm viele Leser folgen!
    Der Vor-(und Nachteil des Internets) ist, daß alles getippt werden muß, da ist das kurzfassen Systemimanent.
    Von mir daher nur eine grob verkürzte Stellungnahme:

    Wenn ich nur regionale Bio – Lebensmittel kaufe, und zwar dann, wenn dafür die jeweilige Saison ist, wenig Fleisch, höchstens mal Süd-Obst aus fairem Handel, aber nur Sorten die es bei uns gar nicht gibt, dann lebe ich nicht zwangsläufig teurer als jemand, der kritiklos alles kauft und dafür in einen Discounter geht.
    Auch fair gehandelte Bio-Kleidung gibt es schon vielfältig und z.T. deutlich billiger als „Marken“ Kleidung, auch wenn einige der Anbieter natürlich inzwischen selbst eine Marke sind. (gebe hier absichtlich keine Quellen an, aber fair gehandelte Bio-T-Shirts gibts schon unter 10 euro, solche Jeans für 69,- da müssen sich neikie und wrängla schon strecken).

    Es stellt sich aber die Frage, ob so eine Sortierung des eigenen Konsums notgedrungen Protest ist, oder ob man/frau es nicht vielmehr positiv belegen sollte mit: nachhaltigen Lebensstil, mit Rücksicht, mit dem Wolhlfühlen in/mit Produkten von denen man weiß, es mußte bei der Produktion niemand leiden.
    Ich glaube, so wird ein Schuh draus.
    Jemand der Pepsi (spei) trinkt, würde das doch auch nie als Protest zu Coke (würg) fühlen.

    Die Tätigkeit in Organisationen ist natürlich ein zweischneidiges Schwert.
    Beispiel Gewerkschaften:
    Einerseits wird man/frau es ohne Unterstützung einer Organissation schwerlich zu aufsehenerregen Aktionen bringen, wie etwa die Bolkesteindemo in Berlin vor einiger Zeit: Ein von mir im Internet veröffentlichter Aufruf zur Demo wäre womöglich von einer Handvoll Leute gelesen worden. Die 20 Busse, die ver.di von Hamburg kostenlos nach Berlin hat fahren lassen, hätte ich schon nicht mehr finanzieren können.
    Deshalb bin ich kein ver.di-Fan.
    Aber ohne Gewerkschaften geht es schon gar nicht, denn die Gegenseite, die Bonzen, das Kapital, die Arbeitgeber („…merkwürdiges Wort, übrigens…“) die sind bestens vernetzt und organisiert, untereinander, mit der hauptamtlichen Politik und mit den Medien. Was ich ganz klar verachte, das ist die Postenschacherei in den Organisationen.
    Da ich selbst Betriebsrat bin, kann ich ein Lied davon singen, daß die engagiertesten Leute, die auch mal auf den Putz hauen und sagen was Sache ist, die die eigentliche Arbeit im Hintergrund tun, daß diese Leute nicht gut gelitten sind und in der Regel nicht zu den Positionen aufsteigen können, an den etwas bewegt werden kann.
    Denn um dahin zu kommen, muß die ganze Kraft in die Karierre gelegt werden, da muß der Gleitfaktor immer neu justiert werden, da bleibt dann für die politische Arbeit im Betrieb oder in der Organisation keine Zeit mehr.
    Doch – was wäre ohne Betriebsräte?
    Jede/r Einzelne stünde schutzlos da, wer sich traut, den Mund aufzumachen fliegt raus (s. Situation in Asien oder bei Lidl) oder wird erschossen (s.Kolumbien).
    Meiner Ansicht nach ist nicht die Organisation im Widerstand fragwürdig, sondern der Umgang mit ihr: Die Organisationsformen indigener Völker in Südamerika und Afrika sind ( oder waren bis zur Ankunft der Europäer) z.T. strikt basisdemokratisch und haben jahrhundertelang funktioniert.

    Du und ich und andere nutzen das Internet, um unsere Meinung kund zu tun. Nie zuvor haben soviele Menschen die Möglichkeit gehabt, mit ihrer Meinung in die Öffentlichkeit vorzudringen. Natürlich möchte man/frau da auch gelesen werden und versucht, irgendwo gelistet zu werden.
    Ich sehe das nicht als Wettbewerb, zumindest nicht als solchen, wo eine den anderen auszustechen versucht.
    Im Gegenteil:
    durch die Vernetzung so vieler kritischer Seiten wie nur irgend möglich wird es zu einem gemeinsamen Projekt, zu einer Form von basisdemokratischer politischer Arbeit, denn niemand (außer Schäuble…) kann dem anderen „den Mund verbieten“, im „nicht ausreden“ lassen, dazwischenquatschen. Und das ist vielleicht schon etwas, was in die Richtung dessen geht, was Du Dir unter neuen Formen des Protests, des Widerstandes, des sinnvollen Diskutierens vorstellst?

    Warte gespannt auf feedback
    das Krokodil

    Flinx

    Oktober 5, 2008 at 18:36

  2. Hallo Krokodil,

    danke für deine doch sehr ausführliche Antwort. Du sprichst mir aus der Seele… Natürlich bewegen wir uns in einem ewigen Zwiespalt. Und genau das wollte ich damit ausdrücken und hat auch die Aurorin des verlinkten Artikels toll herausgearbeitet. Wir sind zwangsläufig ein Teil dieser Gesellschaft und gleichzeitig tragen wir doch ALLE auch eine Verantwortung für die Länder, die WIR ausbeuten. (Jetzt mal ganz plakativ…)

    Doch dieses Hin- und Her heißt natürlich nicht, dass ich gleich einen Gemüsekauf als eine Form des Protests auffassen würde. Ich meinte vielmehr, es ist eine Frage des Gewissens und auch des Sich-bewusst-Machens. Wir können meist nicht anders und genau darin liegt die Crux…

    Und zum Internet: Natürlich konkurrieren nicht alle und die Vernetzung ist das Beste, was man im Kleinen an Widerstand leisten kann. Da gebe ich dir absolut Recht und so habe ich dies, denke ich auch schon gesagt, aber leider denken viele auch anders. Sie sehen das zwar als Medium der freien Meinungsäußerung und nicht mehr. Gerade die Möglichkeit des Vernetzens, des Organisierens, etc. sollte doch zu neuen Formen führen können. Ich stelle mir einfach eine Form des Protestes vor, die neu ist, die die Regierenden so überrascht, dass sie vielleicht sogar im ersten Moment sprach- oder machtlos sind. Das ist meine kleine Utopie…😉

    Warte also gespannt auf Anregungen und Diskussionen…

    LG und immer weiter kritisch denken,
    Nina

    mani1914

    Oktober 6, 2008 at 12:35


Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: