Ein Plädoyer für die Vision
„Der große Diktator“ von Sir Charles Spencer Chaplin jr. (*16.4.1889, +25.12.1977) wurde im Oktober 1940 in New York uraufgeführt, und war Chaplins erster Tonfilm.
In „der große Diktator“ persifliert er Nazi-Deutschland und insbesondere seine „Führer“ Adolf Hitler, Herman Göring und Joseph Goebbels in unnachahmlicher Weise. Chaplin war einer der ersten, der einen Film gegen Nazi-Deutschland produzierte (seit 1935 geplant, 1938 in Produktion, 2 Jahre Produktionszeit), obwohl er den Film so wohl nie gemacht hätte, hätte er von den Greueln gewusst, die die Nazis dann verübten.
Der Film wird oft wegen seiner „kitschigen“ Darstellung der Ghettos und besonders des KZ`s kritisiert. Wie oben schon erwähnt (für die US-Administration war Hitler noch 1940 ein willkommener Partner im „Kampf gegen den Kommunismus“) war Chaplin der 5 Jahre an dem Film arbeitete, wie vielen anderen nicht bewusst, was das Nazi-Regime mit seinen Gegnern machte.
„Hätte ich von den Schrecken in den deutschen Konzentrationslagern gewusst, ich hätte Der große Diktator nicht zustande bringen, hätte mich über den mörderischen Wahnsinn der Nazis nicht lustig machen können.“ (Charles Chaplin)
Hier also die Schlussrede des jüdischen Barbiers, der für den Diktator gehalten wird:
Und hier gibt es die deutsche Variante.
„…eine Rede, die vor Humanität, Freiheitspathos, Friedensglauben nur so bebt – eine der schönsten Gut-Mensch-Reden aller Zeiten, vor guter Absicht triefend.“ („Triumph der Komödie“ von Hellmuth Karasek aus: tagesspiegel.de vom 16. Februar 2002)
Das kann ich so nicht stehen lassen.
Denn die Rede, die Chaplin hält, hat tatsächlich Pathos, ist eine Vision, ein Aufruf für eine bessere Welt, in der die Menschen frei und mit gleichen Rechten in Frieden leben und sich achten. Und es ist ein Aufruf, aufzustehen, um für seine Rechte zu kämpfen, den Unterdrückern entgegen zu treten und sie nicht mehr gewähren zu lassen.
Im gegenteil ist es heute die Vision, die fehlt, ist es die Diffamation der Träume, die so schmerzlich im öffentlichen nicht vorhanden sind, ist es die Einheit des täglichen Einerlei, die das Leben so trist und grau werden lässt. Wo sind die Visionäre, die der Menschheit immer wieder wichtige Impulse geben, um die Menschen weiter zu bringen?
Auch und gerade in der Demokratie erleben wir ein Abheben dieser „Führungs“-Eliten, denen wir Einhalt gebieten müssen, wenn wir unsere Rechte, unsere Würde und Achtung nicht einzutauschen gedenken gegen die Bequemlichkeit, die Trägheit und die Ignoranz. Und genau das hat Chaplin auch kritisiert, indem er die Mechanismen des Systems aufzeigte, in dem Menschen sich bewegen und sich von ihm formen lassen. Das ist der Kritikpunkt, der sich nicht an der Rede in ihrem Inhalt beschränken darf sondern im besonderen in seiner auswirkung und im Automatismus, wie Menschen solches wahrnehmen. Die Methoden sind die gleichen, die Ziele machen den Unterschied, Herr Karasek
Zu lange schon lassen wir uns einlullen von falschen Versprechungen, Diffamierungen und Schuldzuweisungen von Menschen, die nur eines wollen; die Macht und das Privileg, sich über alle anderen zu erheben und in ihrem Gutdünken selbstherrlich über Wohl und Wehe zu entscheiden, ohne das Wohl aller zu beachten.
„Es gibt einen Grad der Unterdrückung, der sich dann Freiheit nennt.“ (Heiner Müller)
Oder anders: Die Diktatur der Freiheit ist die Freiheit des Menschen, sich unterdrücken zu lassen.
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