Auf sie mit Gebrüll?! Protest in Deutschland
Wir hören in letzter Zeit viel von Demos und Streiks. Doch haben diese alten Formen des Protests wirklich noch eine Chance? Wen interessiert es denn von den wichtigen Personen, denen, die es etwas angeht und die etwas ändern müssten und auch könnten, wenn ein paar Hanseln Plakate schwingen und gröhlen. Ob da nun „Bill, ich will ein Kind von dir“ darauf steht, oder „Kontra 78 Stunden Woche“ ist den meisten doch Schnuppe.
Und wahrscheinlich findet Ersteres noch mehr Gehör… Das einzige, was in Ansätzen etwas zu bringen scheint ist, wenn die bisher treudoofen Arbeitermaschinen auf einmal ihre Fließbandtätigkeit einstellen und dann einfach nicht mehr weiter produzieren. Doch auch in diesem Fall lassen sich die Gewerkschaften in den meisten Fällen zu schnell mit falschen Versprechen abspeisen und die Masse will dann doch lieber den Status Quo sehen.
Haben wir unsere Streikkultur verloren? Hatte der Deutsche zwischen Weißwurst, Bier und Lederhosen und preußischen Tugenden denn so etwas jemals? Diejenigen, die früher mal demonstriert haben, machen sich nunmehr darüber lustig oder behaupten inbrünstig, dass heute alles viel besser ist.
Aber ich will mich hier ja gar nicht über unsere damaligen ach so Wilden („Damals war auch ich dabei, ach, was waren wir verrückt und revoluzzerisch!“) echauffieren. Sie sind heute auch nur Blindgänger und Mitläufer in einem maroden, aber immer sehr demokratischen und ehrlichen System.
Oh, heiliges System, wie könnten wir nur gegen dich jemals die Stimmer erheben. Wir sind alle unwürdig im Glanze deiner Gier und deines Fortschritts. Deine Gerechtigkeit über- und verstrahlt unsere Gehirne. Und wie sollen wir uns auch deine, sehr seltenen, Fehltritte auch lange merken? Wir sind nicht nachtragend… Du hast uns nen bunten Flimmerkasten, 3 Millionen Klingeltöne, Cybersex, Sport und deine ewig währende versteckte Propaganda gegeben. Nie würde es uns auch nur in den Sinn kommen, dass du ungerecht und selbstsüchtig handelst, wo du doch so häufig und so gut die Worte Moral, Ehre, Anstand, Glaubwürdigkeit, Werten, Tugenden und vor allem Publizismus in deinen goldenen, von der Privatversicherung bezahlten, Mund nimmst. Wir sind unwürdig…
Wollen wir wirklich so sein? Wäre es nicht besser sich laut zu erheben und seine Meinung voller Überzeugung und stolz geschwellter Brust in die Welt brüllen. Ja, doch wen interessiert es so noch? Eine ganze Menge… Doch die können nur zusammen etwas bewirken. Wie können wir also Massen mobilisieren und Proteste organisieren? Es gibt bereits einige Wege, doch die müssten wir vom FunFaktor befreien und politisieren, ob es cool ist oder nicht. Das Internet bietet so vielen Leuten eine ideale Plattform. Weg vom Schwachsinn Nonsense, hin zu organisiertem politischen Nonsense- oder Senseaktionen! Wir müssen raus aus der Isolation des heimischen PCs, wo wir unseren Frust in die Tasten sabbern. (Kommt mir bekannt vor
) Und dieses Medium endlich zur flächendeckenderen Organisation nutzen. Und nicht nur um unserer Fresse vor ner Kamera die berühmten 15 Minuten zu gönnen, sondern um etwas zu bewegen. Wer weiß wie lange wir das noch so frei in dieser Form tun können? Schäuble und Co. sei dank.
Ach ja, ich hatte ja vergessen, wir sind unwürdig, unwürdig, unwürdig…
© nina
